Betriebsprüfung | Zeitreihenvergleich nur unter Einschränkungen zulässig (BFH)

Der BFH hat sich zu der Schätzungsmethode des Zeitreihenvergleichs geäußert. Hiernach ist der Zeitreihenvergleich nur unter bestimmten Einschränkungen zulässig. Gibt es sonst keine Anhaltspunkte für nichtverbuchte Einnahmen, sei der Zeitreihenvergleich i.d.R. nur bei erheblichen formellen Mängeln als Schätzungsmethode geeignet und außerdem i.d.R. nur dann, wenn auch im jeweiligen Fall praktizierbare andere Schätzungsmethoden (z.B. Geldverkehrsrechnungen) unverbuchte Einnahmen indizieren (BFH, Urteil v. 25.3.2015 - X R 20/13; veröffentlicht am 22.7.2015).

Hintergrund:
Beim Zeitreihenvergleich handelt es sich um eine mathematisch-statistische Verprobungsmethode, bei der die jährlichen Erlöse und Wareneinkäufe des Betriebs in kleine Einheiten - regelmäßig in Zeiträume von einer Woche - zerlegt werden. Für jede Woche wird sodann der Rohgewinnaufschlagsatz (das Verhältnis zwischen Erlösen und Einkäufen) ermittelt. Die Finanzverwaltung geht davon aus, dass der höchste Rohgewinnaufschlagsatz, der sich für einen beliebigen Zehn-Wochen-Zeitraum ergibt, auf das gesamte Jahr anzuwenden ist. Dadurch werden rechnerisch zumeist erhebliche Hinzuschätzungen zu den vom Steuerpflichtigen angegebenen Erlösen ausgewiesen.

Sachverhalt: Im Streitfall nahm das Finanzamt bei einem Gastwirt nicht unerhebliche Einnahmenhinzuschätzungen vor, deren Höhe es ausschließlich auf den Zeitreihenvergleich gestützt hat. Das Finanzamt sah sich zu der Hinzuschätzung berechtigt, weil die Buchführung formelle Mängel aufwies. Das Finanzgericht ist dem grds. gefolgt (s. NWB-Nachricht v. 17.9.2012). Der BFH hat das Urteil aufgehoben und die Sache zwecks weiterer Sachverhaltsfeststellungen zurückverwiesen.

Hierzu führte der BFH weiter aus: